Aus Holzschnitzeln werden Pellets

Stämme zuschneiden – das bringt kleinen Sägewerken kaum noch Geld ein. Ein Unternehmer setzt seine ganze Hoffnung auf eine Maschine, die Hackschnitzel für die Heizung trocknet. Jetzt muss er nur noch andere von seiner Erfindung überzeugen.

Am Ende einer Serpentinenstraße schmiegt sich ein Dorf an die Hänge des Schwarzwalds. Ein schmaler Weg biegt von dort ab; er heißt Geisdörfle und führt zur Halle eines Sägewerks. In dieser Halle steht eine Maschine, und auf die setzt Johannes Bohnert seine ganze Hoffnung.

Bohnert, 47 Jahre alt, betreibt im baden-württembergischen Seebach ein Sägewerk. Er hat die Firma von seinem Vater geerbt, der wiederum hatte sie von seinem Großvater geerbt. Johannes Bohnert möchte nicht derjenige sein, der den Betrieb zusperren muss. „Wir kämpfen, das kann man sich nicht vorstellen“, sagt er, „und es reicht gerade so.“

Es ist ein Kampf, den viele kleine Sägewerke führen. In den vergangenen zehn Jahren haben deutschlandweit von einst 470 Säge-, Hobel- und Holzimprägnierwerken mit 20 bis 49 Mitarbeitern fast 200 zugemacht. Mit dem Zuschnitt von Rundhölzern lässt sich kaum noch Geld verdienen, denn im Ausland können Sägewerke insbesondere Stämme von Nadelbäumen viel günstiger einkaufen und verarbeiten.

Kampf ums Überleben

Sägewerkbetreiber Bohnert setzt nun auf eine Nische: Holzhackschnitzel und die daraus hergestellten Pellets. Die Zahl der Heizungen, die mit diesen beiden Energieträgern befeuert werden, wächst seit Jahren. Der Heizwert frischer Hackschnitzel ist jedoch gering; sie bestehen zu über 50 Prozent aus Wasser.

Bevor sie sich verheizen lassen, müssen die Holzreste getrocknet werden. Es gebe Firmen, die ihre Kapazitäten bei der Pelletherstellung nicht ausschöpfen können, weil sie mit der Trocknung nicht hinterherkämen, berichtet das Branchenmagazin „Pellets“. Dafür werden bisher meist große Heißlufttrockner verwendet. Die sind aber teuer und die Trocknung selbst ist langwierig.

„Wir haben erst einmal ein kurzes Kettenstück gebaut, kleine Versuche gestartet und uns Schritt für Schritt vorgearbeitet“, sagt Bohnert. Zweieinhalb Jahre schraubten seine Mitstreiter und er an dem Gerät, nach Feierabend und am Wochenende, oft bis in die Nacht. Jetzt aber laufe die Maschine seit Monaten stabil, sagt er.

Hat Bohnerts Idee eine Zukunft? Pellethersteller zermahlen Hackschnitzel in der Regel zu Spänen und trocknen sie in großen Bandtrocknern, bis der Wassergehalt auf unter 10 Prozent sinkt. Dafür nutzen so gut wie alle Hersteller laut einer Branchenübersicht von „Pellets“ Abwärme, die bei der Verbrennung von Biomasse entsteht. Dann werden die trockenen Späne zu Holzstiften gepresst, die sich später verheizen lassen.

Sechs Mal so groß

Bohnerts Quetsche kommt mit wenig Energie aus, etwa 3 Kilowattstunden Strom pro Kubikmeter Hackschnitzel. Sie reduziert den Wassergehalt des Holzes aber bloß auf 38 Prozent und kann die aufwändige Trocknung bei der Pelletherstellung deshalb nicht ersetzen, höchstens beschleunigen. Dafür müsste sich die Kapazität der Quetsche allerdings deutlich erhöhen. Noch laufen durch seine Maschine bloß 1,5 Kubikmeter Hackschnitzel pro Stunde. Pellethersteller denken in ganz anderen Größenordnungen. „Deshalb planen wir im nächsten Schritt eine Quetsche, die den sechsfachen Ausstoß schafft“, sagt Bohnert.

Johannes Bohnert denkt schon weiter. Er überlegt, ob es nicht auch einen Markt für das Holzwasser gibt, das beim Quetschen anfällt. Noch schüttet er das in eine Klärgrube. Pro Kubikmeter Hackschnitzel presst seine Maschine etwa 70 bis 100 Liter aus dem Holz, also sieben bis zehn Eimer voll.

In einer Halle in Seebach im Schwarzwald, am Geisdörfle 17, steht also ein Mann, 47 Jahre alt, der nicht aufgibt. Manchmal ist der Grat zwischen Geschäftssinn und sturem Glauben an die eigene Erfindung schmal.

Ein Anruf bei der Hochschule Rottenburg. Sie kooperiert mit Bohnerts Projekt, und dort hat ein Chemiker das Holzwasser untersuchen lassen. Er hat darin Terpene gefunden, die den typischen Holzgeruch erzeugen. Diese Stoffe könnten für Parfümhersteller interessant sein oder auch für Aromaproduzenten, glaubt er.

Dann sagt der Chemiker noch: Es sei sehr aufwendig, diese Substanzen zu isolieren.

Quelle: spiegel.de

Videoquelle: Youtube.com

Bildquelle: Pixabay.com

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