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Das spricht für höhere Goldpreise

Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen – und die Deutschen lieben es dafür. Wie es mit dem Goldpreis weitergeht und wie Anleger ihr Vermögen damit absichern.

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Sobald sich die Dämmerung über die Provinz Haut-Uele im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo senkt, erstrahlt der Grubenschacht, der in die Tiefe von Kibali führt, in hellem Licht. Seit 2009 wird die Goldmine von den Konzernen Randgold Resources, Anglogold Ashanti und dem kongolesischen Staatsbetrieb Sokimo gemeinsam betrieben.

Kibali ist eine der größten Goldminen Afrikas. Sie umfasst eine Fläche von mehr als 1800 Quadratkilometern, auf der sowohl im Tagebau als auch unterirdisch Gold gefördert wird. Knapp 32 Millionen Tonnen Gestein wurden dort im vergangenen Jahr bewegt, belohnt wurden die Mühen mit einem Ertrag von 18,2 Tonnen Gold. Wie viel die Mine 2017 abwerfen wird, ist noch ungewiss. Doch mit der Wertentwicklung des Edelmetalls im laufenden Jahr dürften die Förderer zufrieden sein. Der Goldpreis kletterte seit Anfang Januar von rund 1150 auf knapp 1300 Dollar pro Feinunze (circa 31 Gramm) – ein Plus von elf Prozent. Das wirkt sich positiv auf die Gewinne der Mine aus.

 

Hiesige Investoren dagegen haben aktuell nichts von dieser Herrlichkeit. Denn entgegengesetzt zum steigenden Goldpreis gab der Dollar gegenüber dem Euro nach. Für deutsche Anleger bleibt Gold deshalb in diesem Jahr ein Nullsum­menspiel. „2017 zeigt, dass deutsche Gold­anleger stets auch eine Meinung zum Dollarkurs haben sollten“, rät Frank Schallenberger, Chef der Rohstoffanalyse bei der Landesbank Baden-­Württemberg (LBBW).

Ursachen für das Plus

Für den Anstieg des Goldpreises im laufenden Jahr gibt es mehrere Gründe. Zum einen fielen die Zinsschritte der US-Notenbank nicht so heftig aus wie befürchtet. „Hier waren die Erwartungen übertrieben“, sagt Schallenberger. Steigende Zinsen machen andere Geldanlagen im Vergleich zu Gold attraktiver, weil das Edelmetall nicht mit laufenden Erträgen punkten kann. Zinserhöhungen sind deshalb im Regelfall Gift für den Goldpreis. Verkaufen Sie Gold? Dann bringen Sie es doch in eine renommierte Gold-und Edelmetall Scheideanstalt 

Zum anderen sorgten immer wieder geopolitische Brandherde für Unsicherheit, was die Nachfrage nach Gold beflügelte. Vor allem die verbalen Scharmützel zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump verängstigten die Anleger, die daraufhin ihr Heil in Gold suchten. Eine erhöhte Nachfrage zeigte sich insbesondere bei Gold-ETCs, börsengehandelten Wertpapieren, die dem Goldpreis folgen. „Seit Jahresanfang haben ihre Bestände um neun Prozent zugelegt“, berichtet Schallenberger.

Aufseiten der Nutzer physischen Goldes hat eine Sondersituation in Indien die Nachfrage angetrieben. Zum 1. Juli wurde eine Steuer auf Goldkäufe eingeführt, was zu Vorzieheffekten führte. Und nicht zuletzt hat auch der schwache Dollar 2017 geholfen: Goldkäufe außerhalb des Dollarraums wurden auf diese Weise erschwinglicher.

Für die nächsten Monate erwarten viele Analysten einen weitgehend stabilen bis leicht steigenden Goldpreis. Unterstützend wirkt weiterhin die Zinslandschaft. „Trotz der Leitzinserhöhungen in den USA liegen die Realzinsen infolge Inflation bei null“, sagt Schallenberger. Zugleich ist Europa weit davon entfernt, die Zinsen anzuheben. „Solange die Realzinsen niedrig bleiben, ist das Umfeld für Gold sehr attraktiv“, sagt er.

Daneben dürften immer wieder auf­flammende geopolitische Gefahren die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen hoch halten. Die Drohgebärden zwischen Nordkorea und den USA, Autonomieforderungen von Kurden im Irak bis hin zu Katalanen in Spanien und ein möglicherweise ungeordneter Brexit zerren an den Nerven der Anleger. Gold als Versicherung der letzten Instanz profitiert von diesen Unsicherheiten.

Gleichwohl gibt es auch Gefahren für den Goldpreis. „Ein wesentliches Risiko ist ein starker Dollar“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Sollte die US-Währung wieder zulegen, würde dies Goldinvestments im Nicht-Dollarraum unattraktiver machen – die Nachfrage würde sich abschwächen, der Preis fallen. Goldinvest­ments deutscher Anleger würden dadurch allerdings weniger stark leiden, weil die gleichzeitige Eurostärke wie ein Puffer wirkt.

Daneben droht momentan vonseiten spekulativer Anleger Gefahr. Sie handeln Gold nicht direkt, sondern wetten mit Terminkontrakten auf steigende oder fallende Notierungen. „Zwar ist die Zahl der Investoren, die auf steigende Kurse setzen, zuletzt etwas zurückgegangen“, erläutert Weinberg. „Doch sie ist weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.“ Sollten diese Spekulanten ihre optimistische Positionierung aufgeben, würde der Preis unter Druck geraten (siehe Investor-Info unten).

Auch die Politik der US-Notenbank Fed birgt Risiken. Werden Zinserhöhungen wahrscheinlicher, wird Gold darunter leiden. „In dieselbe Richtung ginge es auch, wenn die Fed einen neuen Chef erhielte, der eine sehr restriktive Geld­politik verfolgt“, sagt Weinberg. Denn auch dadurch würde die Wahrscheinlichkeit von Zins­erhöhungen steigen. Die Amtszeit von Fed-Chefin Janet Yellen endet im Februar 2018.

Liebe zum Gold

Gerade die deutschen Anleger lassen sich von diesen Risiken aber nicht davon abbringen, ihr Vermögen in großem Stil in Gold zu investieren. Mittlerweile liegt die Nachfrage hierzulande weltweit auf Spitzenniveau. Eine Studie des World Gold Council, der internationalen Lobbyorganisation der Goldbranche, zeigt, dass 2016 in Deutschland pro Einwohner durchschnittlich 1,4 Gramm physisches Gold in Form von Barren, Münzen oder Schmuck nachgefragt wurden. In weitem Abstand folgen die Türkei, China, die USA und Großbritannien.

„Der Vergleich mit Schwellenländern hinkt zwar etwas, weil die Deutschen im Mittel viel vermögender sind als etwa die Chinesen“, sagt Weinberg. Doch auch gegenüber anderen Industrieländern ist die Lust aufs Gold auffällig.

Vor allem Investments, die dem Goldpreis folgen, haben es den Bundesbürgern angetan. Das Vermögen entsprechender Produkte aus Deutschland stieg seit 2016 stark an. Knapp sieben Milliarden Euro flossen ihnen allein im vergangenen Jahr zu. Hierzulande gelistete Gold-ETCs besitzen mittlerweile mehr als 250 Tonnen im Wert von fast zehn Milliarden Euro. Auch der Markt für Barren und Münzen boomt.

Die Liebe der Deutschen zum Gold hat mehrere Ursachen. Da ist zum einen die schiere Menge an Kapital, das auf gering verzinsten Tagesgeld- und Sparkonten liegt. Dieses liquide Vermögen sucht neue Anlagemöglichkeiten – und gegenüber Aktien besteht noch immer eine weit verbreitete Skepsis. Gold ist einer der Profiteure dieses Anlagenotstands.

Die Studie des World Gold Council hebt als weiteren Grund die historischen Erfahrungen der Deutschen mit Finanzmarktinstabilität hervor. „Die Hyperinflation der 1920er-Jahre hält sich bis heute im kollektiven Gedächtnis“, schreiben die Autoren. Doch noch viel wichtiger sei, dass deutsche Anleger etliche Papiergeldwährungen haben kommen und gehen sehen: In den vergangenen 100 Jahren seien in Deutschland acht verschiedene Währungen in Gebrauch gewesen. „Mit einem solch unsteten ökonomischen Hintergrund ist es nicht überraschend, dass deutsche Anleger sich Gold zuwenden, um ihr Kapital zu schützen“, so die Studie.

Positionierung der Anleger
Optimisten in der Überzahl
Eine treibende Kraft am Goldmarkt sind spekulative Anleger. Sie wetten mit Terminkontrakten auf steigende oder fallende Kurse. Seit Anfang 2016 überwog stets die Zahl der Spekulanten, die einen steigenden Goldpreis erwarten. Aktuell ist der Überhang positiv gestimmter Anleger im Vergleich zu negativ gestimmten Anlegern sehr groß. Das birgt Risiken, falls der Optimismus nachlässt.

Xetra-Gold
Der Preisentwicklung folgen
Anleger, die auf einen steigenden Goldpreis setzen wollen, können dies einfach und kostengünstig mit einem Produkt der Deutschen Börse tun. Der ETC (Exchange Traded Commodity) folgt der Preisentwicklung und verbrieft pro Anteil den Anspruch auf die Lieferung von einem Gramm Gold. Das Edelmetall lagert in den Tresoren der Börse in Frankfurt. Nach einer Haltedauer von einem Jahr sind Kursgewinne steuerfrei.
ISIN: DE000A0S9GB0

Konwave Gold Equity
Auf die Produzenten setzen
Wenn der Goldpreis nach oben klettert, profitieren die Aktien von Minenbetreibern meist besonders stark. Anleger setzen quasi mit Hebel auf die Goldpreisentwicklung. Das gilt aber auch im Fall sinkender Notierungen. Wer dieses Risiko in Kauf nimmt, findet im Konwave Gold einen gut gemanagten Minenfonds. Der Schweizer Walter Wehrli lenkt das Produkt seit 2003. Derzeit sind überwiegend mittelgroße Minenbetreiber im Portfolio. Die größte Position ist aktuell mit knapp acht ­Prozent Yamana Gold aus Kanada.
ISIN: LU0175576296

Anlagemöglichkeiten
Physisch oder Wertpapier
Wer in Gold investieren möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Die erste entscheidende Frage: Soll das Edelmetall physisch in Form von Barren oder Münzen erworben werden oder genügen Wertpapiere, die dem Goldpreis folgen? Anleger, die dem Geld- und Finanzsystem als solchem misstrauen und größere Verwerfungen fürchten, kaufen Münzen oder Barren. Wer Gold lediglich zur Diversifikation nutzen oder auf einen steigenden Preis setzen möchte, investiert in einen ETC. Das sind börsengehandelte Wertpapiere, die dem Goldpreis folgen. Wer das Thema Gold über Bande spielen möchte, kann Fonds kaufen, die Aktien von Minenbetreibern erwerben. Diese steigen für gewöhnlich überproportional, wenn der Goldpreis zulegt.

Barren und Münzen Bezahlen oder horten

Ist die Entscheidung gefallen, physisches Gold zu kaufen, stehen Anleger vor der Wahl zwischen Münzen und Barren. Münzen lassen sich leichter als Zahlungsmittel nutzen. Gängige Prägungen wie der südafrikanische Krügerrand oder der kanadische Maple Leaf sind in ihren Ländern sogar ein gesetzliches Zahlungsmittel. Wer nüchtern kalkuliert und Gold eher horten möchte, sollte Barren kaufen. Sie sind kostengünstiger, weil aufwendige Prägearbeiten wie bei Münzen entfallen. Ökonomisch ist es zudem sinnvoller, wenige schwere Barren oder Münzen zu kaufen als viele kleine. Denn die Aufschläge auf den Goldpreis sind umso höher, je geringer das Gewicht des Barrens oder der Münze ist.

Spekulationsfrist oder nicht

Goldinvestments werden uneinheitlich besteuert. Gewinne beim Verkauf von Barren oder Münzen sind steuerfrei, wenn diese länger als ein Jahr gehalten wurden. Werden sie innerhalb der Spekulationsfrist veräußert, wird auf Gewinne der persönliche Einkommensteuersatz fällig. Wie Wertpapiere besteuert werden, die dem Goldpreis folgen, ist noch nicht abschließend geklärt. Fest steht, dass Xetra-Gold wie Barren und Münzen behandelt wird. Das hat der Bundesfinanzhof für den ETC der Deutschen Börse entschieden. Höchstwahrscheinlich gilt dies ebenfalls für andere ETCs, die mindestens zu 95 Prozent mit physischem Gold besichert sind und bei denen ein Anspruch auf Auslieferung ohne Mengenbeschränkung besteht. Andere Gold-Wertpapiere sowie Fonds für Minen­aktien unterliegen der Abgeltungsteuer.

 

Quelle: finanzen.net

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